GrauerWolf's Gedichte


19
Jan
Beschreibung vollkommener Schönheit
19.01.2014 04:31

Ein Haar, so kühnlich Trotz der Berenike spricht,

Ein Mund der Rosen führt und Perlen in sich heget,

Ein Zünglein, so ein Gift vor tausend Herzen träget,

Zwo Brüste, wo Rubin durch Alabaster bricht,


Ein Hals, der Schwanenschnee weit, weit zurücke sticht,

Zwei Wangen, wo die Pracht der Flora sich beweget,

Ein Blick, der Blitze führt und Männer niederleget,

Zwei Arme, deren Kraft oft Leuen hingerich't,

 

Ein Herz, aus welchem nichts als mein Verderben quillet,

Ein Wort, so himmlisch ist und mich verdammen kann,

Zwei Hände, deren Grimm mich in den Bann getan

 

Und durch ein süßes Gift die Seele selbst umhüllet,

Ein Zierat, wie es scheint, im Paradies gemacht,

Hat mich um meinen Witz und meine Freiheit gebracht.

 

#Christian Hofmann von Hofmannswaldau (*1617 - 1679*)#

Das Feld der Lüste
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